Cord Bauer

Ein Vorbild für alle, die den Amateurfußball schätzen –  Auszüge aus seiner Fußballgeschichte

Von Roger Handorf

Cord Bauer, auch liebevoll „Cordi“ genannt, ist mittlerweile 68 Jahre alt. Seine früheste Kindheit hat er in Lägerdorf verbracht und auch dort mit dem Fußballspielen begonnen. Dies war in den 50er Jahren – viele Fußballinteressierte wissen gar nicht, dass seine „Karriere‘“ somit auch dort begann.

Familiäre Umstände machten einen Umzug notwendig und der fußballbegeisterte Cordi schloss sich dem VfR Neumünster (den in Lila spielenden „Veilchen“) an. Die Zeit im Jugendbereich des VfR war für ihn überaus img039erfolgreich, denn er durchlief 10 Jahre lang alle Altersklassen des Vereins und spielte als A-Jugendlicher sogar erfolgreich in der Landesauswahl Schleswig-Holsteins. Die Ligamannschaft des VfR hatte zu der Zeit Regionalligastatus, stieg jedoch just in dem Jahr ab, als Cord in den Herrenbereich wechselte.

Cord spielte im Team der Amateurliga Schleswig-Holstein der „Veilchen“, bis der Itzehoer SV unter dem damaligen Trainer Kuno Böge auf ihn aufmerksam wurde. Der ISV hatte zu diesem Zeitpunkt eine Regionalligamannschaft (damals noch zweithöchste Klasse im deutschen Fußball) am Start, die in unserem Bundesland einen klangvollen cord-bauer-beim-interviewNamen besaß. Der Wechsel wurde mit den verhandelnden ISVern Jochen Kinne, Hans-Hermann „Hanne“ Ulrich und Kuno Böge unter Dach und Fach gebracht. Es gab zu dieser Zeit den Status des Vertragsspielers und mit Cordi wurde ein Vertrag über 2 Jahre geschlossen.

Itzehoe war noch in einer weiteren Hinsicht sehr attraktiv, denn in unserer Stadt gab es einen der größten Arbeitgeber im Lande, die Tiefdruckerei von Gruner & Jahr. Cord ist gelernter Schriftsetzer und konnte sofort seinen Arbeitsplatz beim neuen Arbeitgeber einnehmen. Für ihn der Beginn eines neuen Lebensabschnittes, denn auch seine Frau lernte er in Itzehoe kennen, gründete eine Familie und wurde hier sportlich wie beruflich sesshaft.

Der ISV war zu dieser Zeit ein wahrer Zuschauermagnet. Cordi spielte im Schnitt immer vor ca. 1500 Zuschauern, bei attraktiven Gegnern wie VfL Osnabrück, VfL Wolfsburg, FC St. Pauli, Holstein Kiel oder dem VfB Lübeck waren nicht selten 4000 begeisterte Fans auf dem Lehmwohld. „Eine fantastische Zeit, man war beliebt, bekannt und geschätzt beim Itzehoer Publikum“, so Cord mit etwas Wehmut, „aber auch die Diskothekenszene hat uns immer willkommen geheißen und der Spaßfaktor kam nie zu kurz“, ergänzt er mit einem Zwinkern.

Cord Bauer kickte von 1970 bis 1980 für den ISV in Regional- und Amateuroberliga, machte um und bei 300 Ligaspiele und betrachtet ein bestimmtes Ereignis als absolutes Highlight seiner Fußballerlaufbahn: Das DFB Pokalspiel 1976 gegen den 1. FC Köln vor heimischem Publikum im reinen Fußballstadion des ISV. Es drängten sich knapp 7200 Zuschauer auf den Rängen, um Nationalspielern wie Wolfgang Overath, Karlheinz Flohe, Toni Schuhmacher, Bernd Cullmann oder Wolfgang Weber von ganz nah zu sehen. Das Spiel ging 0:7 verloren, aber der ISV hatte eine sehr ansprechende Partie gegen den damaligen Favoriten (mit Trainer Hennes Weisweiler) auf die deutsche Meisterschaft abgeliefert und Cordi als Mannschaftskapitän war mächtig stolz auf die Truppe, die topfit in die Partie und die nachfolgende Saison startete. Der ISV hatte sich in die Herzen vieler Zuschauer gespielt! „Das Fernsehen war angereist, auch um den damaligen Star und Millionentransfer Roger van Gool aus Belgien dem deutschen Publikum exklusiv zeigen zu können“, so Cord weiter. „Die sind aber vor Spielbeginn wieder abgereist, da sich auf der Platzanlage eine doppelte Bandenwerbung befand, also oben und unten, und dies mit den Richtlinien einer Sportberichterstattung nicht vereinbar war. Ja, so war das damals!“

1980 wechselte Cord Bauer zum Nachbarclub TSV Heiligenstedten. „Es war eine wunderschöne, über 20jährige Zeit, in der ich Freundschaften geschlossen habe, die bis heute andauern“, so sein Fazit.

Ein Schmankerl aus dieser Zeit hat er aber noch. „Viele wissen gar nicht mehr, dass ich 1992 ein halbes Jahr bei Holsatia Elmshorn gespielt habe. Der Trainer von Holsatia hieß Kuno Böge und er fand dort eine ‚zusammengekaufte‘ Mannschaft vor, die einen Leitwolf brauchte. Da hat sich Kuno an mich erinnert und geschickt in meine Richtung die Angel ausgeworfen. Da ich nicht mobil war (hatte weder Auto noch Führerschein), durfte ich zur Fahrschule gehen, Führerschein machen, Auto wurde gestellt und der Mäzen des Vereins hat alles bezahlt. Diesen Argumenten konnte ich mich nicht verschließen und Kuno Böge als Trainer war mir noch gut in Erinnerung. Also ab in die ‚Hammoniastaffel‘ des Hamburger Fußballs! Doch schon nach einem halben Jahr war mir diese ‚Hamburger Zeit‘ zu unausgegoren und die Identifikation mit Mannschaft und Verein nicht mehr gegeben. Ich zog wieder zurück an den Juliankadamm und widmete mich nur noch der Altliga des TSV. Hier war ich dann auf Kreisebene mega erfolgreich und konnte eine richtig tolle Zeit miterleben.“

Im Jahre 2003 ist Cordi dann zum ISV zurückgekehrt und hat in der Altliga seine Fußballerkarriere beendet. Heute macht es ihm riesigen Spaß, die umliegenden Vereine bei manchen attraktiven Begegnungen, z.B. in Lägerdorf, zu beobachten und selbst den neu aufgestellten ISV als Fan zu unterstützen. Cord Bauer ist in der Fußballerszene ein ganz großer gewesen und bis zum heutigen Tag ein Vorbild für Leistung im Sport, Aufrichtigkeit, Fairness und gesunden Menschenverstand geblieben.